Vor über 200 Jahren gab es ein Spiel, mit dem jede und jeder ein Menuett „komponieren“ konnte – ganz ohne Noten lesen: Man würfelte, suchte in einer Zahlentafel den passenden Takt heraus und setzte so Takt für Takt ein ganzes Stück zusammen. Hier würfelst du dein eigenes. Und findest heraus, warum dabei nie Unsinn herauskommt.
Leg dir einen Code an, zum Beispiel mia-7b. Dann bleiben dein Menuett und deine Antworten gespeichert – auch am nächsten iPad.
Die Einheit ist so gebaut, dass die Klasse allein damit arbeiten kann – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.
Alle Lösungen lassen sich einblenden. Die Codes zeigen, wer wie weit ist; die Texte der Klasse lassen sich lesen und drucken.
etwa 20 Minuten
Im 18. Jahrhundert waren Würfelspiele für Musik groß in Mode. Der Gedanke dahinter: Ein Menuett – ein höfischer Tanz im Dreiertakt – ist immer ähnlich gebaut. Wenn man für jeden Takt mehrere Möglichkeiten bereithält, die alle zusammenpassen, kann der Zufall die Auswahl übernehmen.
Der bekannteste Druck erschien 1792 bei Nikolaus Simrock in Bonn, ein Jahr nach Mozarts Tod, unter dem Titel „Anleitung, Walzer oder Schleifer mit zwei Würfeln zu componieren“. Ob Mozart ihn wirklich geschrieben hat, ist bis heute nicht sicher – der Verlag warb gern mit dem berühmten Namen.
Solche Spiele gab es schon vorher: Johann Philipp Kirnberger, ein Schüler Bachs, veröffentlichte 1757 „Der allezeit fertige Polonoisen- und Menuettencomponist“. Musik erscheint hier als kombinatorisches System: Der Stil ist so stark geregelt, dass sich Bausteine beliebig tauschen lassen, ohne dass der Satz zusammenbricht.
🔍 Zieh übers Bild
etwa 20 Minuten
16 Takte, für jeden Takt 11 Möglichkeiten. Würfle sie der Reihe nach – oder alle auf einmal. Einzelne Takte kannst du jederzeit noch einmal würfeln: einfach auf den Takt tippen.
Oben steht über jedem Takt die gewürfelte Zahl. Die Melodie ist einstimmig notiert – die Begleitung spielt das iPad dazu.
etwa 25 Minuten
Alle elf Möglichkeiten für einen Takt benutzen dieselben Töne – die Töne des Akkords, der an dieser Stelle vorgesehen ist. Egal, was du würfelst: Es passt.
Wie beim Baukasten: Die Steine sind verschieden, aber die Noppen sind immer gleich.
Tipp auf einen Takt: Du hörst die Begleitung und siehst, welcher Akkord dort steht.
Das Menuett besteht aus zwei Perioden zu acht Takten. Die erste endet offen auf der Dominante (Halbschluss – es klingt wie ein Komma), die zweite kommt zur Ruhe auf der Tonika (Ganzschluss – der Punkt am Satzende).
Für jeden der 16 Takte gibt es 11 Möglichkeiten, unabhängig voneinander. Das ergibt 1116 Fassungen:
1116 = – etwa 45 Billiarden. Wer jede Fassung einmal hören wollte (je 30 Sekunden), bräuchte rund 43 Milliarden Jahre.
Allerdings sind nicht alle Würfelsummen gleich wahrscheinlich: Die 7 kommt bei zwei Würfeln sechsmal so oft vor wie die 2. Tipp auf „Verteilung zeigen“ – so sieht ein Zufall in der Praxis aus.
etwa 25 Minuten
Jetzt wird aus dem Würfelergebnis deine Fassung: Klangfarbe, Tempo, Wiederholungen und ein Titel. Am Ende nimmst du sie mit – als MP3 und als Notenblatt zum Ausdrucken.
Klangfarbe
Wiederholungen
Das Notenblatt enthält deine Melodie, die Würfelzahlen und deinen Titel – zum Abheften, Vorspielen oder Weiterschreiben.
etwa 20 Minuten
Das Würfelspiel ist kein Scherz der Vergangenheit: Der Zufall ist bis heute ein Werkzeug von Komponistinnen und Komponisten. Man nennt das Aleatorik – von lateinisch alea, der Würfel.
John Cage (1912–1992) entschied in „Music of Changes“ (1951) mit dem chinesischen Orakelbuch I Ging, welche Töne, Dauern und Lautstärken kommen. Sein berühmtestes Stück, 4′33″, besteht aus Stille: Man hört, was im Raum zufällig gerade passiert.
Karlheinz Stockhausens „Klavierstück XI“ (1956) legt 19 Abschnitte auf ein großes Blatt; der Pianist spielt sie in der Reihenfolge, in die sein Blick fällt. Heute übernehmen oft Programme das Würfeln: Generatoren und KI erzeugen Musik nach Regeln und Wahrscheinlichkeiten. Die Frage von 1792 stellt sich dabei neu: Wer ist eigentlich der Komponist?
Dasselbe Menuett, zweimal neu gewürfelt: Wie verschieden klingt es – und was bleibt gleich?
Mit deinem Code liegen dein Menuett und deine Antworten im musikwerkzeug. Du kannst am nächsten iPad weiterarbeiten – einfach denselben Code wieder eingeben. Mindestens 4 Zeichen, nur Buchstaben, Zahlen und Bindestriche.